Frischer Fisch
Im Herbst 1991 setzte ein Schwertfischtrawler mit dem Namen Andrea Gail an der Ostküste der USA in Gloucester, Massachusetts, seine Segel. Die Besatzung brach – allen Warnungen vor einem massiven Sturm zum Trotz – zum letzten Fang der Saison in den Nordatlantik auf.
Traurigerweise wurde es wirklich der letzte Fang: Als der Sturm sich näherte, befand sich die Andrea Gail etwa 900 Kilometer vor der Küste und damit weit genug von der Schlechtwetterfront entfernt. Das Boot hätte einfach abwarten können. Doch dann fiel an Bord die Eismaschine aus. Im verzweifelten Versuch, ihren Fang zu retten, entschied sich die Besatzung, die Heimreise durch den Sturm anzutreten – eine Entscheidung, die sie mit ihrem Leben bezahlen musste.
Die Geschichte der Andrea Gail ist ein anschauliches Beispiel für die Gefahren, denen Fischer ausgesetzt sind, und zeigt die starke Abhängigkeit der modernen Fischindustrie von einer funktionierenden Kühltechnik.
Profiköche sagen, dass Fisch idealerweise innerhalb von drei Tagen nach dem Fang serviert werden sollte, während er für die japanische Sashimi-Qualität – für den Rohverzehr – innerhalb von 24 Stunden auf den Teller kommen muss. Experten sind der Auffassung, dass fangfrischer Fisch mit jeder Stunde, die er nicht eisgekühlt gelagert wird, einen ganzen Tag an Haltbarkeit einbüßt.
KaltlagerungBetrachtet man die Entfernungen, die von den großen Fischtrawlern zurückgelegt werden sowie die umfassende Logistik für den Transport der riesigen Fischfänge vom Hafen bis zu den Verkaufsstellen in aller Welt, wird deutlich, welch hoher Stellenwert der Kühltechnik zukommt.
Die Verbrauchernachfrage nach Fisch wächst weltweit. Ohne Kühl- oder Gefriermöglichkeiten wäre es unmöglich, ihr nachzukommen und die Frische des Fischs vom Schiff bis zum Ladentisch aufrechtzuerhalten.
Fischflotten brauchen leistungsstarke, flexible und zuverlässige Kühlsysteme. Viele Fischdampfer gleichen schwimmenden Fabriken, in denen der Fang unmittelbar ausgenommen, filetiert und tiefgefroren wird. Solche Schiffe sind oft mehrere Wochen unterwegs.
Heute müssen die Kühlsysteme strikte Vorschriften erfüllen und gleichzeitig die globale Erwärmung auf ein Minimum reduzieren.
GEA Grenco, einer der marktführenden Hersteller von Kühltechnik für die Schifffahrtsindustrie, installiert derzeit modernste, umweltfreundliche Kühl- und Tiefkühlsysteme an Bord des Trawlers Willem van der Zwan.
Das Flaggschiff der niederländischen Reederei W. van der Zwan & Zonen war im Januar 2007 bei Ausbesserungsarbeiten fast vollständig ausgebrannt und wird derzeit wieder aufgebaut. Anfang 2009 soll es wieder seetüchtig sein.
Pioneere der Kühltechnik„Es ist ein riesiges Schiff und die Kühlanlage, die wir zurzeit an Bord installieren, wird die größte weltweit sein”, erläutert Simon Kortleven, Sales Engineer für GEA Grenco Marine Refrigeration. „Die Anlage kann bis zu 500 Tonnen Fisch pro Tag tiefkühlen.”
Im Rahmen des größten Auftrags, den GEA Grenco Marine jemals erhalten hat, entsteht eine Anlage, die weitaus energieeffizienter arbeitet als konventionelle Systeme. Dieser Erfolg ist der berufliche Höhepunkt eines Ingenieurteams von GEA Grenco Marine. Sie waren die ersten, die eine Absorptionskälteanlage entwickelt haben, die für den Einsatz an Bord von Schiffen geeignet war. Anders als traditionelle, durch Strom versorgte Kühlsysteme werden Absorptionskälteanlagen mit der überschüssigen Wärme von Dieselmotoren betrieben. Bislang wurde diese Technik jedoch noch nie an Bord von Schiffen eingesetzt.
Øyvind Gausvik, Sales Manager Marine bei GEA Grenco, erläutert: „Die Situation an Bord eines Schiffes ist völlig anders. Insbesondere haben wir es hier mit Bewegung und Vibration zu tun. Außerdem gilt es, die durch die Seeluft hervorgerufenen Korrosionseffekte zu berücksichtigen.”
Die GEA Ingenieure haben sich zehn Jahre lang damit beschäftigt, die besten Lösungen für diese Probleme zu finden. Stig Remøy, Eigentümer der norwegischen Schiffsgesellschaft Olympic Prawn, wird als Erster das Absorptionskälteprinzip auf seinem neuen Schiff einsetzen, das von der Werft Havyard Solstrand in Norwegen gebaut wird.
„Das Schiff wird im hohen Norden unterwegs sein und muss die strengen Auflagen des norwegischen Staates erfüllen“, so Gausvik. „Der Einsatz der Absorptionskältetechnik verbessert das ökologische Profil des Schiffs und sorgt für eine Energieeinsparung. Zudem werden die jährlichen Kohlendioxidemissionen um mehr als 500 Tonnen gesenkt.”
Durch Nutzung von Abwärme verbraucht die Absorptionskälteanlage rund 80 Prozent weniger Strom. So können 200.000 Liter Treibstoff pro Jahr eingespart werden.
Niederlassung in Miami: Neue Geschäftsmöglichkeiten
GEA Grenco ist einer der führenden Hersteller von Kälteanlagen für die Schifffahrtsindustrie. Seit über 40 Jahren beliefert das Unternehmen mit Zentrale in den Niederlanden seine Kunden weltweit.
Aufgrund zunehmender Serviceaufträge und Geschäftsmöglichkeiten haben das Unternehmen und seine US-Organisation FES im Oktober 2008 ein neues Servicebüro in Miami eröffnet. „Wir wollten näher an unseren Kunden aus der Kreuzschifffahrtindustrie sein und unsere Tätigkeiten in diesem Sektor auf die Karibik ausweiten“, erklärt Michel Engelen, Service Director von GEA Grenco Marine.
In der neuen Niederlassung sind Service Manager und Techniker tätig, sodass das Unternehmen noch schneller auf die Anfragen seiner Kunden in dieser Region reagieren kann.
Ausmaß der Fischerei
Nach Angaben der Food and Agriculture Organization haben die gewerblichen Fischereiboote im Jahr 2005 insgesamt 93,2 Millionen Tonnen Fisch gefangen, während in Fischzuchtanlagen weitere 48 Millionen Tonnen Fisch produziert wurden.
Doch der kommerzielle Fischfang fordert seinen Tribut: Eine umfassende internationale Studie, die 2006 im Magazin Science veröffentlicht wurde, zeigt, dass die weltweiten Fischbestände sich um ein Drittel reduziert haben. Setzt sich dieser Trend fort, könnten die Fischbestände innerhalb der nächsten 50 Jahre völlig kollabieren. Fischfangmethoden beeinträchtigen zudem andere Meeresbewohner wie Wale, Delphine, Schildkröten oder Seevögel.
Anlagen, in denen Fisch unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet wird, werden zunehmend als alternative Lösung angesehen, um die Nachfrage nach Fisch zu decken.