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Flüssiges Gold

Homer bezeichnete es als „flüssiges Gold”, seit Jahrhunderten ist es grundlegender Bestandteil der mediterranen Ernährung: Olivenöl wird aufgrund seiner gesundheitlichen Vorzüge inzwischen auch weltweit geschätzt und ist aus der internationalen Küche nicht mehr wegzudenken.

Wissenschaftliche Untersuchungen in den 90er Jahren beschäftigten sich mit der Frage, warum die Franzosen trotz ihrer „reichhaltigen“ Ernährungsweise seltener unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden als ihre nordeuropäischen Nachbarn oder US-Bürger. Der reichliche Verzehr von Obst, Gemüse, Wein und Olivenöl scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen.

Wie zur Bestätigung dieser These ging die Französin Jeanne Calment als ältester Mensch der Welt in die Geschichte ein: Als sie 1997 verstarb, hatte sie das unglaubliche Alter von 122 Jahren erreicht. Die aufgeweckte Madame Calment, die im Alter von 80 Jahren mit dem Fechtsport begann und noch mit 100 Jahren auf ihrem Fahrrad unterwegs war, führte ihr erstaunlich langes Leben auf Olivenöl als tägliche Beigabe zum Essen zurück. Sie verwandte Olivenöl sogar als Feuchtigkeitscreme.

Gut für die Gesundheit
Olivenöl gilt aufgrund seines hohen Bestandteils immunstärkender Antioxidantien sowie der einfach ungesättigten Fettsäure als das gesündeste Pflanzenöl. Diesen Fetten wird nicht nur eine cholesterinsenkende Wirkung, sondern auch die Senkung des Risikos von Krebs- und Herzerkrankungen nachgesagt. Zudem ist Olivenöl magenschonend, soll die Heilung von Geschwüren unterstützen und die Verdauung fördern.


Die herzfreundlichen Wirkungen von Olivenöl wurden 2005 von Forschern am Monell Chemical Senses Center in Philadelphia beschrieben, die herausfanden, dass das im Olivenöl enthaltene Oleocanthal über ähnliche Eigenschaften verfügt wie der Wirkstoff Ibuprofen. Weil man jedoch 500 Gramm Olivenöl zu sich nehmen müsste, um die Wirkung einer Ibruprofen-Dosis zu erreichen, ist Olivenöl als Kopfschmerzmittel wohl eher ungeeignet. Dennoch haben diese Untersuchungen zur Erklärung der positiven Effekte der mediterranen Küche beigetragen.

Vielseitige Anwendung
Seit die ersten Olivenbäume rund 3.500 v. Chr. auf Kreta angebaut wurden, bringt das Olivenöl den Mittelmeerländern Wohlstand, Einfluss und Wohlbefinden. Neben einer Vielzahl kulinarischer Verwendungen wird Olivenöl beispielsweise auch zu Seife verarbeitet oder in Öllampen eingesetzt. Olivenöl war übrigens der ursprüngliche Brennstoff für die olympische Fackel.
Schon die altgriechischen und römischen Athleten rieben ihre Körper mit Olivenöl ein. Die Vielseitigkeit und Natürlichkeit des Olivenöls wird auch heute gerne in der Körperpflege genutzt: als Feuchtigkeitscreme, schonender Augenmakeup-Entferner und bestes Rasieröl – insbesondere für empfindliche Haut. Mit Meersalz vermischt ergibt es ein natürliches Body-Peeling, zusammen mit geschmolzenem Bienenwachs entsteht ein pflegender Lippenbalsam.

Ölsäure bestimmt die Qualität
Es gibt hunderte Olivenarten, von der griechischen Kalamata-Olive bis zur französischen Picholine. Zu Beginn der Saison gepflückte Oliven sind grün, während die schwarzen oder vollreifen Oliven später geerntet werden. Ein Olivenbaum trägt durchschnittlich 20 kg Früchte pro Jahr, woraus drei bis vier Liter Olivenöl gewonnen werden können.


Wie beim Wein bestimmen Anbauregion und Klima die Qualität der Öle, die nach dem Gehalt der Ölsäure (einer einfach ungesättigten Fettsäure) klassifiziert werden. Je geringer der Gehalt an Ölsäure, umso feiner und fruchtiger der Geschmack. So hat beispielsweise das native „Extra Virgin”- Olivenöl (die beste Qualität) einen Säuregehalt von höchstens 0,8 Prozent (0,8 Gramm freie Fettsäure pro 100 Gramm Öl).



Verbrauch auf Rekordhöhe
Rund 95 Prozent der weltweit 750 Millionen Olivenbäume wachsen im Mittelmeerraum, wobei Spanien mit über 200 Millionen Olivenbäumen der bei weitem größte Produzent ist – gefolgt von Italien, Griechenland und der Türkei. Olivenplantagen gibt es auch in Australien, Südamerika, den USA, Südafrika und im Nahen Osten – und ihre Zahl wächst stetig.

Der weltweite Verbrauch von Olivenöl hat heute absolute Rekordhöhen erreicht (laut International Olive Council 2006/2007 insgesamt 2,9 Millionen Tonnen, mehr als doppelt soviel wie noch 1990/91). In Folge dessen stehen die Olivenöl produzierenden Länder unter dem massiven Druck, die Erträge in energieeffizienter Weise zu steigern, während gleichzeitig die Qualität weiter verbessert werden muss. Dies geht Hand in Hand mit der Entwicklung neuer und besserer Technologien in Form leistungsstarker Separatoren. In unserer zunehmend gesundheitsbewussten Welt wird Olivenöl zweifellos noch lange einen wichtigen Beitrag zu einer gesunden Ernährung liefern.