Fantasy Island
In Dubai, einem Land, das Sand im Überfluss hat, verfährt man derzeit nach der Devise: „Tausche Sand gegen Land“.
Mit gigantischem Aufwand wurden Millionen Kubikmeter Sand im Meer aufgeschüttet, um somit Sandbänke in Form einer überdimensionalen Palme zu erschaffen. Einer bewohnbaren Palme, sehr exklusiv zudem.
Die als achtes Weltwunder angekündigte Palmeninsel The Palm Jumeirah, die wie eine Fantasie aus einem Science-Fiction Film anmutet, ist Wirklichkeit geworden.
Dubais Premierminister, Seine Hoheit Scheich Mohammed Bin Rashid Al Maktoum hatte die Idee dazu. Seine Absicht: Das Angebot an luxuriösen Wohnmöglichkeiten direkt am Strand zu erweitern, um die durch das blühende Tourismusgeschäft steigende Nachfrage befriedigen zu können.
The Palm ist, wie der Name schon sagt, eine künstlich angelegte Insel in Form einer Palme mit 17 Palmwedeln, die ins Meer hinausragen, umgeben von einem elf Kilometer langen, halbmondförmigen Wellenbrecherdamm. The Palm schafft mit einem Durchmesser von fünf Kilometern 78 Kilometer zusätzliche Küstenlinie in Dubai und Raum für 4000 luxuriöse Stranddomizile. Projektbeginn war 2001; Ende 2006 konnten die ersten Bewohner ihr wunderbares Quartier beziehen.
The Crescent
Das Projekt ist ein technischer Triumph: Zuerst musste ‚The Crescent’ – ein Steingürtel – als Wellenbrecher errichtet werden. Der Damm ist bis zu elf Meter tief ins Wasser gebaut und ragt bei Ebbe vier Meter über den Meeresspiegel hinaus. Berechnungen zufolge reicht das aus, um die Insel vor den höchstmöglichen Wellen – aufgetürmt durch die starken Shamal-Winde – oder vor den möglichen Auswirkungen der globalen Erwärmung zu schützen.
Der Bau der Sandbänke selbst begann mit einem Fundament aus Felsgestein, gefolgt von der präzisen Ausbringung von mehr als 92 Millionen Kubikmetern Sand mit Hilfe von DGPS (Differential Global Positioning System): Die Ingenieure konnten so alle Sandkörner bis auf einen Zentimeter Abweichung genau platzieren und somit die perfekte Palmenform realisieren.
Mit dem Aufschütten der Palmwedel und dem Bau des Schutzdamms war es aber noch nicht getan. Die Palmeninsel ist kein Ornament, sondern eine bewohnbare Insel mit Luxusappartements, exklusiven Geschäften, Restaurants und natürlich Menschen. Während der Bauphase stellten die Ingenieure fest, dass der Salzgehalt des durch den Wellenbrecher eingeschlossenen Wassers – sich selbst überlassen – schnell auf inakzeptable Werte ansteigen würde. Zur Lösung des Problems wurde der halbmondförmige Schutzdamm mit zwei 100 Meter langen Öffnungen an jeder Seite versehen, so dass Meerwasser die Insel natürlich umspülen kann. Die Gezeitenströmung tauscht das gesamte Wasservolumen innerhalb von The Crescent alle 13 Tage vollständig aus.
Innovative Lösungen der GEA
Die Einleitung großer Mengen unbehandelten Abwassers ins Meer war für die Planer aus Gründen der Umweltverträglichkeit nicht akzeptabel. Die Einrichtung eines ausgeklügelten, unterirdischen Abwasseraufbereitungssystems, das von den Inselbewohnern nicht zu sehen ist, bot die Lösung. Im Herzen der Anlage befindet sich ein Dekanter von Westfalia Separator (der ein wenig anmutet wie ein Krokodil und daher eben diesen Spitznamen trägt). Das Westfalia Separator- „Krokodil“ kann Klärschlämme aus der Abwasserbehandlungsanlage entwässern. Das Ergebnis ist sauberes Wasser, das sicher ins Meer geleitet werden kann, sowie eine trockene Feststoffmasse, die sich durch Verbrennung problemlos entsorgen lässt.
The Palm aus Stahl und Beton zu konstruieren, wäre sicher der leichtere Weg gewesen. Die Erbauer wollten aber ausschließlich natürliche Materialien verwenden, weil diese aus seismologischer Sicht stabiler und zudem umweltfreundlicher sind. Mit einer Rütteldrucktechnik, der so genannten „Vibro Compaction“, wurde der Sand künstlich verdichtet, so dass die weitere natürliche Setzung in den kommenden 50 Jahren weniger als zweieinhalb Zentimeter betragen soll.
Schutz des ökologischen Gleichgewichts steht im Mittelpunkt
Für die Planer war es von entscheidender Bedeutung, das natürliche Meeresleben und das empfindliche ökologische Gleichgewicht zu schützen. Fast 2000 Fischarten und andere Meeresbewohner wurden aus der Küstenzone rund um die Baustelle in benachbartes offenes Gewässer umgesiedelt.
Bei den Gebäuden auf der Insel wird neueste Gebäudetechnik eingesetzt, um Wasser und Energie zu sparen und das Abfallaufkommen auf ein Minimum zu reduzieren. Doppelverglasungen und Solarpanele sind hierfür nur zwei Beispiele.
Und das achte Weltwunder wird bald Geschwister bekommen: Seine größeren Schwestern, The Palm Jabel Ali und The Palm Deira, werden derzeit gebaut.