Abfülltechnik
Sprudelnde Entwicklung auf dem Softdrink-Markt – Geschichte der Abfülltechnik
Kann sich heute noch jemand eine Welt ohne Erfrischungsgetränke vorstellen? Picknick ohne Limonade? Heisse Sommertage im Auto ohne erfrischendes Wasser, verfeinert mit einem Hauch von Zitrone? Die lange Radtour ohne den Durstlöscher in der Radflasche? Nein, unvorstellbar!
Erfrischungsgetränke gibt es schon länger als man meinen könnte. Die ersten Getränke dieser Art wurden im 17. Jahrhundert aus Wasser und Zitronensaft hergestellt und mit Honig gesüßt.
Nahezu 100 Jahre später stellte der englische Arzt Joseph Priestley das erste kohlensäurehaltige Wasser her. Erst 1832 erfand John Mathews, der als Erfinder des amerikanischen Sodawassers bekannt wurde, ein Gerät, mit dem sich Wasser mit Kohlensäure versetzen ließ.
1883 meldete James Tufts ein Patent für die „soda fountain“ an, eine Maschine, die kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke zubereitete.
Die Maschine stand üblicherweise in Apotheken und wurde Teil des amerikanischen Lifestyles. Aber es dauerte nicht lange, und die Kunden wollten ihre Getränke auch mit nach Hause nehmen: die Geburtsstunde der kommerziellen Softdrinks.
Allerdings bereiteten die Kohlensäureblasen einiges Kopfzerbrechen. Und erst 1892 gelang William Painter die Patentierung des Kronkorkenverschlusses: Mit dieser Methode gelang endlich der gasdichte Verschluss der Flaschen. Wurden die Flaschen zuerst im Mundblasverfahren aus Glas hergestellt, explodierten die Produktionszahlen mit der Entwicklung einer Glasblasmaschine durch Michael Owens von der Libby Glass Company. Danach boomte der Markt für Getränkeflaschen regelrecht.
Technik
Die Erfrischungsgetränkeindustrie hat seitdem einen langen Weg zurückgelegt. Das auf Abfülltechnik spezialisierte italienische Unternehmen Procomac gehört seit April dieses Jahres zur GEA Group und liefert seit 1979 Abfüllanlagen und inzwischen auch komplette Abfülllinien an einen wachsenden Markt. Procomac ist zudem Experte in der aseptischen Abfüllung, einer Abfüllung unter völlig sterilen Bedingungen. Diese Technologie zählt zu den neuesten Entwicklungen in der Abfülltechnik und sorgt dafür, dass der Verbraucher eine größere Palette an Getränken als jemals zuvor genießen kann.
Vor der aseptischen Abfüllung war die Heißabfüllung die übliche Technik, bei der die Getränke zwecks Abtötung aller Bakterien auf bis zu 90°C erhitzt und danach wieder heruntergekühlt wurden. Eine energieintensive Technik. Ein weiteres Problem, möglicherweise das größte, war die Beeinträchtigung des Geschmacks der Produkte durch die Hitze.
Laut Paolo Pagliarini, Deputy General Manager & Koordinator von Procomac, gehören bei der aseptischen Kaltabfüllung diese Probleme der Vergangenheit an. „Wir füllen ein aseptisches Produkt in eine aseptische Flasche mit einem aseptischen Verschluss und führen den gesamten Prozess unter aseptischen Bedingungen durch“, erläutert er. „So senken wir den Energieverbrauch, erhalten ein geschmacklich besseres Produkt mit höherem Nährwert, können leichte PET -Flaschen verwenden und die Materialkosten und den Energieverbrauch reduzieren.“ Die neuesten Anlagen erreichen Abfüllgeschwindigkeiten von bis zu 60.000 Flaschen pro Stunde.
Zu Beginn war die aseptische Produktion noch teurer als die Heißabfülltechnik. Weiterentwicklungen und Massenproduktionsvorteile sorgten allerdings für eine stetige Reduzierung der Investitions- und Betriebskosten. Auch die Qualitätskontrolle ist von entscheidender Bedeutung. Carlo Ferrari, Media Manager von Procomac, sieht den Schlüssel in innovativer Elektronik. „Ich gehe davon aus, dass Elektronik mehr und mehr Teil des aseptischen Prozesses wird und umfassende Qualitätskontrollen und höhere Prozessgenauigkeit ermöglicht.“
Produkte
Nicht nur kohlensäurehaltige Getränke, sondern ein umfassendes Spektrum an Getränken kann mit dieser Technologie sicher und wirtschaftlich abgefüllt werden – ohne Einbußen beim Geschmack oder Kontaminierungsrisiken. Stark säurehaltige Produkte sind am einfachsten abzufüllen, da sie weniger anfällig für biologische Einflüsse sind. Produkte mit geringem Säuregehalt, wie etwa Milchgetränke oder Gemüsesäfte, erfordern strengere Maßnahmen hinsichtlich der HACC P-Verfahren (Hazard Analysis and Critical Control Point) des Unternehmens.
Wo ist künftig Wachstum zu erwarten?
Ferrari vermutet, dass ultrahocherhitzte Milchgetränke und Fruchtsäfte die Beliebtheitsskala anführen werden.
Er könne sich ebenso einen neuen Markt für Bier vorstellen, wenn Bier in PET –Flaschen an Marktakzeptanz gewänne.
Osteuropa gilt als großer Wachstumsmarkt; China und Indien sind die nächsten Ziele. Erstaunlich ist, dass in den USA, quasi die Wiege der Erfrischungsgetränke, die größten Chancen liegen könnten. Procomac hat vor kurzem bei der FDA (Food and Drug Administration) eine Hochgeschwindigkeitsabfülltechnik für Getränke mit geringem Säuregehalt angemeldet. Wenn dieses Verfahren genehmigt wird, könnte der Eintritt in den weltgrößten Verbrauchermarkt mit diesen technisch innovativen Produkten äußerst spannend werden.
Umwelt
Keine Industrie kann oder sollte heutzutage die Umweltverträglichkeit ihrer Produkte und Konzepte unbeachtet lassen. Hier ist der Wechsel von der Heißabfüllung zur aseptischen Kalttechnik eindeutig ein Fortschritt. Allerdings erfordert die aseptische Produktion den Einsatz von Chemikalien. Ferrari erklärt, wie entscheidend das Recycling in diesem Bereich ist: „Mit den Chemikalien gehen wir sehr sorgfältig um. Etwa 85 Prozent der Substanzen werden in einem geschlossenen System wieder verwendet. Wir sind uns immer der Tatsache bewusst, wie wichtig es ist, auf diesem Gebiet alle Möglichkeiten auszuschöpfen.“
Die Getränkeindustrie begrüßt die aseptische Abfüllung als Möglichkeit, das natürliche Aroma der Getränke zu erhalten und die von den Kunden geforderte, lange Haltbarkeit zu gewährleisten.